Dzierżoniów/Reichenbach

20. Juli 2011
Dzierżoniów / Reinchenbach

Dzierżoniów / Reinchenbach

Die reiche Geschichte der Stadt Dzierżoniów / Reichenbach in Dolny Śląsk/ Niederschlesien weist zahlreiche Wechsel der politischen Zugehörigkeit auf. Man findet in Stadt und Umgebung Zeugnisse der polnischen Piastenherzöge von Schweidnitz-Jauer, der böhmischen Krone, der Habsburger, der preußischen Könige und schließlich des Deutschen Reichs.

Die Wurzeln der Stadt reichen bis in das 13.Jahrhundert zurück. Die erste schriftliche Erwähnung der Stadt bezieht sich auf eine am 13.Februar 1258 ausgestellte Urkunde. Ende des13.Jahrhunderts wird Reichenbach zum wirtschaftlichen Mittelpunkt für das umgebende Land und erhält ein städtisches Aussehen. 1428 wird die Stadt von den Hussiten überfallen und vollkommen zerstört. Die Pest und andere Seuchen fordern wiederholt hohe Opfer. Im 15. Jahrhundert fällt Schlesien an die Böhmische Krone und ein Jahrhundert später an die Habsburger. 1763, am Ende des Dritten Schlesischen Kriegs, wird Reichenbach Teil des Königreichs Preußen.

Im 16. Jahrhundert entwickeln sich der Handel, das Handwerk, die Herstellung von Leinen und andere Gewerbe. Bald wird diese Epoche als “das goldene Jahrhundert Reichenbachs” bezeichnet. Durch die schlesischen Kriege (1740 – 1763) wird dieser Ruhestand unterbrochen. Während der napoleonischen Kriege werden in Reichenbach mehrere Kongresse abgehalten, welche die künftige Landkarte Europas weitgehend bestimmen. Dies war die Zeit, in der Reichenbach politisch seine größte Bedeutung erreichte. Zwischen 1816 und 1820 wird Reichenbach sogar die Hauptstadt eines der vier Regierungsbezirke der Provinz Schlesien.

Im 19. Jahrhundert entwickeln sich die Stadt und ihre umliegenden Ortschaften zum Zentrum der schlesischen Leinenweberei. Die Jahrhunderte alte Hausweberei wird durch die industrielle Produktion ersetzt. Diese wirtschaftliche und soziale Umwälzung bringt dieser Gegend unaussprechliche Not und politische Unruhe, die in dem Weberaufstand von 1842 gipfelt. Durch verschiedene Projekte versucht der preußische König in den folgenden Jahren, die notleidende Bevölkerung und die aufgebrachte Arbeiterschaft zu beruhigen. Von diesen Maßnahmen profitiert die Stadt Reichenbach, wie auch durch die 1855 eröffnete Eisenbahnverbindung mit Schweidnitz/?widnica und von dort mit dem weiteren preußischen Eisenbahnnetz.

Im Ersten und Zweiten Weltkrieg bleibt Reichenbach von Zerstörungen verschont. Im Jahre 1945 befindet sich die Stadt unter den im Potsdamer Abkommen Polen zugesprochenen Gebieten, aus denen die deutsche Bevölkerung zwangsausgesiedelt wird und von polnischen Bewohnern ersetzt wird, die zum großen Teil aus den 1945 in die Sowiet Union eingegliederten ostpolnischen Gebieten stammen. Gleich nach dem 2.Weltkrieg siedeln sich in der Stadt zahlreiche aus den Konzentrationslagern befreite Juden an und die Stadt erhält den Namen Rychbach, der jedoch zwei Jahre später nach dem „Bienenvater“ Jan Dzierżon auf Dzierżoniów geändert wird. Im Wirtschaftsbereich entwickeln sich die Leinen- und die elektromechanische Industrie. In den späten 80er und frühen 90er Jahren erreicht Polen als Demokratie seine volle Unabhängigkeit. Neue Gesetze erlauben Gemeindeselbstverwaltung, womit Dzier?oniów rechtliche und finanzielle Selbstverwaltung gewinnt.

© W. John Koch 2009